HCV-Genotyp 2
Hintergrund
Velpatasvir und Sofosbuvir
Die Gabe des pangenotypischen NS5A-Inhibitors in Kombination mit Sofosbuvir über 12 Wochen bei Patienten mit einer HCV-Genotyp-2-Infektion wurde in 2 Phase-3-Studien evaluiert [Feld, JJ et al. 2015], [Foster, GR et al. 2015] (Ib).
Im Rahmen einer placebo-kontrollierten Studie mit Einschluss von Patienten mit verschiedenen HCV-Genotypen wurden 104 Patienten mit einer HCV-Genotyp-2-Infektion eingeschlossen, die alle einen SVR (100%) erreichten [Feld, JJ et al. 2015].
In einer kontrollierten Studie im Vergleich zur Gabe von Sofosbuvir und Ribavirin wurden insgesamt 266 Patienten eingeschlossen [Foster, GR et al. 2015]. Hier wurde mit einer SVR-Rate von 99% unter Velpatasvir plus Sofosbuvir im Vergleich zu 94% unter Sofosbuvir und Ribavirin über 12 Wochen eine statistisch signifikante Überlegenheit für die Kombinationstherapie aus Velpatasvir plus Sofosbuvir nachgewiesen. Ebenfalls fand sich ein besseres Nebenwirkungsprofil von Velpatasvir plus Sofosbuvir im Vergleich zu Sofosbuvir und Ribavirin.
Damit stellt die Kombinationstherapie aus Velpatasvir und Sofosbuvir über 12 Wochen unabhängig vom Vortherapiestatus mit einer Interferon-basierten Therapie und dem Vorliegen einer Zirrhose die Standardtherapie für Patienten mit einer HCV-Genotyp-2-Infektion dar (Ib).
Sofosbuvir plus Ribavirin
Für Patienten mit einer HCV-Genotyp-2-Infektion liegt eine Zulassung für Sofosbuvir und Ribavirin mit einer Therapiedauer von 12 Wochen auf der Grundlage von mehreren Phase-3-Studien mit hohen SVR-Raten bei der Erst- als auch der Re-Therapie vor (86-97%) [Lawitz, E et al. 2013], [Jacobson, IM et al. 2013], [Zeuzem, S et al. 2014] (Ib).
Bei Patienten ohne Leberzirrhose lagen die SVR-Raten bei der Ersttherapie bei 97% (88/91) und bei der Re-Therapie bei 90% (56/62) bei jeweils 12-wöchiger Therapiedauer.
Insgesamt wurden nur wenige therapie-naive (n=14) bzw. vorbehandelte (n=18) Patienten mit Leberzirrhose untersucht. Hier lagen die SVR-Raten bei einer 12-wöchigen Therapie bei den therapie-naiven Patienten bei 86% (12/14) und bei den vortherapierten Patienten bei 72% (13/18). Durch eine Therapieverlängerung auf 16 Wochen konnte eine Steigerung der SVR-Rate auf 78% (7/9) bei vortherapierten Patienten erreicht werden (I) [Jacobson, IM et al. 2013].
Schließlich wurden im Kontrollarm der Zulassungsstudie von Velpatasvir und Sofosbuvir insgesamt 132 Patienten mit Sofosbuvir und Ribavirin über 12 Wochen behandelt (I) [Foster, GR et al. 2015]. Die SVR-Raten bei der Erst- bzw. Re-Therapie von Patienten ohne Zirrhose betrugen hier 96% (92/96) und 81% (13/16). Bei Patienten mit Zirrhose lagen die entsprechenden SVR-Raten bei 93% (14/15) und 100% (4/4). Unter der Gabe von Ribavirin wurden im Vergleich zur Ribavirin-freien Therapie mit Velpatasvir und Sofosbuvir weniger Nebenwirkungen (Anämie, Müdigkeit und Schlaflosigkeit) gefunden.
Bei einem Teil der Patienten mit einem Relapse nach Therapieende lag offensichtlich eine Infektion mit einer viralen Chimäre vor, die mit kommerziellen Routineassays zur HCV-Genotypisierung nicht erkannt wird [Hedskog, C et al. 2015]. Dabei handelt es sich typischerweise um eine virale Rekombination aus einem HCV-Genotyp 2k/1b, die häufig bei Patienten mit einem Migrationshintergrund aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion gefunden wird, bei der es unter eine Therapie mit Sofosbuvir und Ribavirin in >80% der Fälle zu einem Relapse kommt und die wie ein HCV-Genotyp 1 behandelt werden sollte [Susser, S. et al. 2016]. Bei entsprechendem Verdacht sollte eine Sequenzierung im nicht-strukturellen HCV Genom zur Identifizierung des HCV-Genotyps erfolgen.
Damit kann eine Therapie mit Sofosbuvir und Ribavirin über 12 Wochen zur Ersttherapie von Patienten mit einer HCV-Genotyp-2-Infektion ohne Leberzirrhose durchgeführt werden.
Daclatasvir und Sofosbuvir +/- Ribavirin
Für die HCV-Genotyp-2-Infektion liegen Daten von 26 therapie-naiven Patienten ohne Leberzirrhose vor, die eine Therapie mit Sofosbuvir und Daclatasvir mit und ohne die zusätzliche Gabe von Ribavirin über 24 Wochen erhielten [Sulkowski, MS et al. 2014] (IIb). Die SVR-Rate betrug 96% (25/26). Weiterhin wurden einzelne Patienten mit einer HCV-Genotyp-2-Infektion mit fortgeschrittener Leberzirrhose (n=5, SVR 80%)), sowie einzelne Patienten mit HIV-Ko-Infektion (n=13, SVR 100%) in zwei Phase-3-Studien mit einer Gabe von Daclatasvir und Sofosbuvir mit und ohne Ribavirin und einer Therapiedauer von 12 Wochen untersucht [Poordad, F et al. 2016], [Wyles, DL et al. 2015][275,335]. Systematische Studien zur Evaluation der optimalen Therapiedauer bzw. der zusätzlichen Gabe von Ribavirin bei vor-therapierten Patienten und von Patienten mit Zirrhose liegen nicht vor.
Daher wird der Einsatz von Daclatasvir und Sofosbuvir mit oder ohne Ribavirin angesichts vorhandener, besser evaluierter alternativer Therapieregime nicht als primäre Therapieoption empfohlen (IIb).